Der Bau

Bau

Der Neufert-Bau in Weißwasser ist ein typischer Industriebau in der Formensprache der klassischen Moderne resp. der Neuen Sachlichkeit der 1930er Jahre. Geplant und gebaut wurde er als zentrales Lager- und Versandgebäude der Vereinigten Lausitzer Glaswerke (VLG). Es ist ein frühes Modell eines Logistikzentrums - ursprünglich für VLG-Glasprodukte, u.a. Entwürfe von Wilhelm Wagenfeld, zum Umschlag Produktion–Lager–Schiene.

Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex besteht aus einem sechsgeschossigen Lagerhaus und einer eingeschossigen Verladehalle. Das Lagerhaus basiert auf einem tragenden Stahlskelett und einer Sichtklinkerausmauerung, die bis heute weitgehend original erhalten ist. Das Lagerhaus wird durch ein Treppenhaus und (theoretisch, weil außer Betrieb) zwei größere Lastenaufzüge erschlossen und hat pro Geschoss etwa 700 m² Nutzfläche.

Die Funktionalität des tragenden Stahlskeletts ist nicht nur in der Fassade sichtbar, sondern dient ihr als grundsätzliches Ordnungssystem. Das Innere ist geprägt durch ein Stahlstützenraster, auf dem Unterzüge mit dazwischen gespannten Systemdecken (,,Stein-Eisen-Decken") mit untersetzter Ziegelschalung ruhen. Die Stahlstützen verjüngen sich – aus Gründen der Rationalität – in den oberen Geschossen sichtbar. Die Fensterrahmen sind in die Stahlrahmen der Ost- und Westfassade eingehängt, sodass das Gebäude tatsächlich wie ein Baukasten „hochgezogen" werden konnte.

Die rechtwinklig an das Lagerhaus angrenzende Verladehalle steht in einem direkten funktionalen Zusammenhang und greift die Formensprache des Lagerhauses auf. Auffallend ist die außermittige Stützenreihe, welche die Funktionalität der Halle erhöht und als Typ sogar Einzug in Neuferts „Bauentwurfslehre" fand.

Von der Verladehalle gibt es einen direkten Zugang zu den beiden Lastenaufzügen, hier sind Laderampen für die LKW-Anlieferung der Glaswaren und eine Laderampe für den Versand per Eisenbahn. Die Verladehalle hat etwa 770 m² Bruttogeschossfläche.

Besonderheit